Therapiekonzept

Das hier vorgestellte Therapiekonzept ist im Rahmen longituidinaler Studien auf seine Wirksamkeit überprüft worden, und hat sich für 90 % der berichteten Fälle als wirksam erwiesen. Das Verfahren ist damit das einzige in Deutschland zur Behandlung der Sondendependenz, welches in Längsschnitt seine Wirksamkeit nachgewiesen hat. Die Therapie lässt sich in vier Phasen unterteilen:

Online-Vorbereitung

Bis zu einer Intensivtherapie werden die Eltern im häuslichen Umfeld, online und telefonisch betreut. Dazu wird eine online Plattform bereitgestellt, auf der die Eltern Fragen äußern können und Unterstützung erhalten. Hier können auch Videos hochgeladen und besprochen werden.

Ziel ist es, Nahrungsverweigerung abzubauen und das Interesse an der oralen Nahrungsaufnahme zu erhöhen. Eine vollständige Behandlung der Sondendependenz sehen wir in der online Beratung nicht, sondern ein unterstützendes Angebot zur Vorbereitung auf die Entwöhnung von der Sonde.

Hausbesuche

Hausbesuche werden in 14-tägigen Abständen durchgeführt. Im Rahmen der Hausbesuche wird eine stabile therapeutische Beziehung sowohl zu dem Kind als auch zu seinen Eltern aufgebaut. Basierend auf dieser Beziehung sollen das Kind und seinen Eltern Stabilität in der Füttersituation gegeben werden, um das Füttern und auch das Gefüttert werden zu explorieren. Die bestehende Aversion soll dabei reduziert und die lustvoll Aufnahme der Nahrung angebahnt werden. Wenn sich eine Stabilisierung des Essverhaltens einstellt, wird eine Intensivphase unmittelbar angeschlossen.

Intensivtherapie

Im Rahmen einer Intensivtherapie von 3-5 Tagen soll der Übergang von der Sondenernährung zur vollständigen oralen Ernährung durch tägliche Begleitung aller Mahlzeiten gewährleistet werden. Jede Mahlzeit wird von unserem Team begleitet, bis eine stabile Nahrungsaufnahme erreicht wird. Das bedeutet, dass täglich zwischen 6-8 Stunden Therapie durchgeführt werden. Folgende Interventionen werden unter anderem in der Therapie durchgeführt:

  1. Abbau der Stressinduktion beim Füttern, durch adaptives Spiegeln des Verhaltens.
  2. Deaktivieren des Bedrohungsmonitorings in der Füttersituation.
  3. Vermeidung von Stresstriggern in der Füttersituation und positive Situationsgestaltung.
  4. Aufbau von adaptiven, interaktiven Mustern der Verhaltensregulation in der Füttersituation.
  5. In der Esssituation wird das Signalverhalten von Eltern und Kind erläutert und übersetzt.
  6. Aufbau einer adaptiven Fütter-Ess-Beziehung mit nachhaltiger Nahrungsaufnahme.
  7. Erhöhung der Mentalisierungsfähigkeit in Bezug auf die Esssituation der Eltern.

Nachsorge

Die Begleitung von Eltern und Kind ist nach dem Beginn der Nahrungsaufnahme fortzuführen, da es zur kurzzeitigen Nahrungsverweigerung des Kindes kommen kann. Es tauchen Fragen auf bezüglich der Menge, der Entwicklung des Kindes und der eigenen Elternrolle. Dazu wird in den ersten vier Wochen nach Therapieabschluss ein Telefontermin pro Woche durchgeführt. In den folgenden Monaten können die Eltern telefonisch oder über den online-Chat mit dem Therapeuten Kontakt aufnehmen.

Ziel der Therapie

Im Rahmen einer intensiven Kurzzeittherapie soll das Affektsystem wieder vermehrt aktiviert und stabilisiert werden. Die aversiven Gefühle, die mittlerweile mit der Füttersituation in Verbindung gebracht werden, sollen abgebaut werden. Gleichzeitig soll das Interesse an der oralen Nahrungsaufnahme und die Aufnahme von weicher Kost initialisiert werden. Eine intensive home-based Kurzzeittherapie ist bei guter Vorbereitung als vielversprechend anzusehen, da die oral-motorischen Fähigkeiten als ausreichend zu betrachten sind und der Gesundheitszustand stabil ist.


Titelfoto by Luma Pimentel on Unsplash

de_DEGerman
de_DEGerman