Wenn Kinder nicht essen

Babys haben eine ganz eigene Sprache. Wenn sie sich nicht wohlfühlen, teilen sie uns das meist sehr deutlich mit. Meist verstehen Eltern schnell, was das Wimmern, Brüllen oder Quengeln ihrer Kleinen bedeutet. Wenn ein Kind sich jedoch weigert zu essen, stecken oft komplexere Gründe dahinter.

Was ist eine Fütterstörung?

Wenn ein Kleinkind mal keine Lust darauf hat, seinen Spinat aufzuessen, ist das längst kein Grund zur Beunruhigung. Erst wenn ein Baby oder Kleinkind über einen längeren Zeitraum das Essen ablehnt, handelt es sich um eine Fütterstörung. Manchmal äußert sich das darin, dass das Stillen oder das Füttern sehr lange dauert. In anderen Fällen lässt sich das Kind nur füttern, wenn die Eltern es ablenken und ihm das Essen so unterschummeln.

Schnell wird eine Fütterstörung zu einer Belastung für die Beziehung zum Kind und oft auch für die Paarbeziehung der Eltern.

Die Welt unserer Babys verändert sich ständig. Für Eltern und Kind sind die ersten Monate und Jahre eine besonders spannende Zeit. Doch manchmal verunsichern Veränderungen die kleinen Menschen. Sie reagieren mit einem anderen Schreiverhalten oder einem unregelmäßigen Schlafrhythmus – und manchmal wollen sie nicht mehr essen. Eine Fütterstörung ist die Art des Babys, auf Veränderungen in der Umwelt zu reagieren, zum Beispiel, wenn es plötzlich nicht mehr gestillt wird, sondern das Fläschchen bekommt. Schätzungen zufolge entwickeln 15 bis 25 Prozent aller Babys in ihren ersten Lebensjahren eine Füttestörung. Bei den meisten Babys gehen diese Schwierigkeiten jedoch schnell vorüber.

Wann sollten Eltern handeln?

Es gibt verschiedene Anzeichen, bei denen Eltern wachsam werden sollten: Wenn das Kind…

  • … sich gegen das Essen wehrt, aggressiv wird oder Angst davor hat.
  • … sehr langsam isst oder trinkt.
  • … von der Nahrungsaufnahme schnell erschöpft ist.
  • … keinen Appetit hat, extrem wählerisch ist oder Brei vorzieht, obwohl es bereits feste Nahrung essen kann.
  • … Probleme beim Kauen oder Schlucken hat.
  • … sich nur in bestimmten Positionen füttern lässt.
  • … leicht abzulenken und unruhig ist.
  • … eine negativ veränderte Verdauung aufweist.
  • … ab- statt zunimmt.

Ob seelische oder körperliche Gründe hinter der Fütterstörung stehen, kann ein Kinderarzt zeitnah nach Auftreten der Symptome erkennen.

Was können Eltern tun?

Manchmal liegen versteckte Traumata hinter einer Fütterstörung. Wenn die kleine Psyche verletzt ist, hat ein Baby kaum eine Chance, sich auszudrücken. Manchmal steht dagegen auch das wohlwollende Verhalten der Eltern hinter der Weigerung zu essen. Deshalb ist beim Füttern vor allem eines gefragt: Achtsamkeit. Mit einigen Tricks können Eltern ihrem Kind die Freude am Essen vermitteln:

  • Autonomie: Kinder lernen spielerisch. Wenn ein Baby oder Kleinkind selbst essen möchte, sollte es dies tun dürfen. Ebenso darf ein Kind selbst entscheiden, was und wie viel es isst.
  • Timing: Wenn ein Baby noch keinen Brei essen möchte, zeigt es das seinen Eltern meist recht deutlich. Eltern sollten sich nicht an Ratschlägen von außen orientieren, sondern an der Reaktion ihres Kindes, wenn es um den Umstieg auf eine andere Art der Nahrung geht.
  • Regelmäßigkeit: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das gilt auch und besonders für ganz kleine Menschen. Deshalb schaffen Eltern eine klare Tagesstruktur mit festen Ritualen und immer gleichen Essenszeiten.
  • Essenszeiten: Dazu gehört es auch, dass es zwischen den Mahlzeiten möglichst keine Snacks gibt. Denn der Appetit kann nur beim Essen kommen, wenn das Kind nicht vorher schon satt ist.
  • Geduld: Hat das Kind keinen Appetit oder keine Lust auf eine Mahlzeit, sollte es auch nicht essen müssen. Ohne Wertungen oder Vorwürfe fällt die Mahlzeit aus. So lernt das Kind, dass Essen ein Angebot ist – und keine Verpflichtung.

Für einen gesunden Umgang mit Nahrung ist ein liebevoller Umgang mit dem Kind nötig. Geduld und Akzeptanz spielen eine entscheidende Rolle, wenn Kinder das Essen lernen wollen.


Titelfoto by Gabriel Crismariu on Unsplash

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