Unser Behandlungskonzept


Unsere Therapie beruht auf vier Säulen, die uns tragen und begleiten sollen. Die Säulen sind unser innerer Kompass in der Therapie mit spezifischen Methoden, die zum Einsatz kommen um Kinder auf dem Weg zum Essen zu begleiten.

1. Zusammen gehen: Aufbau nährender Beziehungen

Die therapeutische Beziehung ist der entscheidende Wirkfaktor aller Therapien. Wir gehen so weit zu sagen: Ohne eine stabile therapeutische Beziehung zum Kind und zu den Eltern ist keine gezielte therapeutische Veränderung möglich. Daher gilt dem Aufbau und der pflege dieser Beziehungen ein besonderes Augenmerk. Die Wirkfaktoren in dieser Beziehung, emotionale Wärme und Verfügbarkeit, unbedingte Wertschätzung und einfühlendes Verstehen leiten uns bei unserem Handeln. Wir stellen uns in der Therapie Fragen wie zum Beispiel: Was bewegt das Kind? Wie sieht das Kind seine Umwelt, seine Esserfahrungen, wie würden wir uns fühlen in der Situation des Kindes? Essverhalten ist für uns immer Ausdrucksverhalten der Innenwelt. Auch wenn es manchmal erforderlich ist mit dem Kind um seine Gesundheit zu ringen, stellen wir sicher, dass am Ende das Kind gewinnt. Die oft bizarr anmutende Nahrungsverweigerung des Kindes lässt Eltern ver- und an ihren Kompetenzen zweifeln. Wir sehen unsere Aufgabe darin Eltern zu bestärken und gemeinsam eine nährende Beziehung zum Kind aufzubauen, welche trägt und zu einem stabilen Essverhalten führt.

2. Den Kampf beenden: Das Nervensystem in Einklang bringen


Das Nervensystem ist bei allen Störungsbildern in Aufruhr. Etwas stört und dieses drückt sich durch ein gestörtes Essverhalten aus. Dabei spielt gerade das autonome Nervensystem eine übergeordnete Rolle. Fühlt dieses sich bedroht oder gar lebensbedroht wird ein Flucht, Kampf und Erstarrung-System? ausgelöst, welche sämtliche orale Funktion blockiert. Daher ist der erste Schritt immer Sicherheit aufzubauen und Bedrohungserleben zu beenden. Natürlich spielt die therapeutische Beziehung wichtige Rolle. Insgesamt gilt es jedoch achtsam mit Anforderungen in der Therapie umzugehen. Das Anpassen der Position beim Füttern, der Temperatur, Konsistenz oder der Darreichungsform der Nahrung oder das Timing auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Kindes sind ebenfalls Erfahrungen die das Nervensystem beruhigen und Sicherheit vermitteln. Es ist erstaunlich, dass die wohl effektivsten orofacialen Therapien nach diesen Prinzipien arbeiten (z. B. Castillo Morales(R); Morris & Klein), nur mit anderen Vorstellungen zum Wirkungshintergrund. Das in sich beruhigte und harmonische Nervensystem erlaubt es, dem Kind zu lernen und sich zu entwickeln und zwar nicht nur beim Füttern sondern oft noch in anderen Bereichen.

3. Mach heile, was bricht: Interaktive Kreise schließen

Das Erleben des Säuglings ist entscheidend für den Aufbau von Erinnerungen, welche das spätere Leben in Bezug auf das Essverhalten, aber auch die Bindungssicherheit oder die Affektregulation prägen werden. Gerade dieses Erleben ist durch traumatische Einbrüche, Dissoziation, Überforderung und Abwehr auseinandergebrochen. Die Esssituation wird durch Abwehr, Wut, Verzweiflung geprägt.

Daher steht ein harmonisches und integriertes Erleben des Kindes in der Therapie im Vordergrund. Auf den Ebenen des Affektes, der sensorischen und motorischen Wahrnehmung, wird zusammengefügt was oft zerbrochen ist: Ein einheitliches Erleben. In der Interaktion mit dem Kind wird daher großer Wert auf eine nachvollziehbare und ruhige Handlungsabfolge gelegt, in der das Kind sich orientieren und sowohl den Initiativen des Therapeuten, als auch vermehrt eigene Initiativen entwickeln kann. Das Erleben positiver Affekte in der Füttersituation ermöglicht dem Kind eine Veränderung im eigenen Erleben und erleichtert den Zugang zur Nahrungsaufnahme.

4. Dem Kind folgen und mitgehen

Manchmal fällt es Säuglingen und Kleinkindern schwer Füttern, Essen, Trinken Stillen oder das Probieren ungehemmt zu erleben. Wir müssen das Kind für die Therapie gewinnen, denn schließlich hat es nie ein Bedürfnis nach Therapie geäußert. Daher stehen die Bedürfnisse des Kindes im Vordergrund der Therapie, welche herausgearbeitet und befriedigt werden müssen. Dieses können das Bedürfnis nach Sicherheit, Geborgenheit, Verständnis, Grenzen oder dem beantwortenden Wirken sein.  Wir orientieren uns dabei an dem Konzept des „Moving Alongs“, welches von einer Gruppe führender Psychotherapeuten entwickelt wurde. Das Kind gestaltet seine Therapie durch die Bedürfnisse die es in der Therapie äußert. Die Therapeuten folgen und übernehmen nur die Führung, wenn es darum geht, das Bedürfnis zu beantworten oder dem Kind selbst verständlich zu machen. Daher arbeiten wir in der Mehrzahl der Fälle in Intensivtherapien.

Die Bedürfnisse sind oft nicht planbar und lassen sich mit einem Terminkalender nicht vereinbaren. Die Intensivtherapie erlaubt es uns genau dann zu intervenieren, wenn das Kind ausgeschlafen und aufmerksam, bedürftig oder neugierig ist. Damit können wir uns von Mahlzeit zu Mahlzeit oder von Schluckakt zu Schluckakt mit dem Kind mitbewegen und bei seiner Entwicklung effektiv begleiten. 


Photo by Jason Sung on Unsplash

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