Wie entsteht ein frühkindliches Trauma?

Sie haben einen schweren Start ins Leben: Frühgeborene, Kindern mit Herzfehlern oder anderen Einschränkungen erleben schon in den ersten Minuten, Tagen und Wochen belastende Situationen. Noch bevor sie den Alltag kennenlernen dürfen, erleben sie Atemnot, Schmerzen und ärztliche Eingriffe.

Es ist laut, das Licht grell, Geräte piepen, die Stimmung ist angespannt. Wer sein Leben auf der Intensivstation beginnt, erlebt durchschnittlich 766 invasive Behandlungen noch bevor er das erste Mal mit seinen Eltern nach Hause darf. Das ist für die Eltern ebenso belastend wie für die kleinen Menschen selbst.

Um sich selbst zu schützen, gibt es in der kindlichen Psyche für solche Ausnahmesituationen einen Schutzmechanismus: Der kleine Patient zieht sich emotional zurück. Doch machen Babys fällt es auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus schwer, sich sicher zu fühlen und die Schutzschilde langsam sinken zu lassen.

Manche Kinder machen ihrem seelischen Druck Luft, schreien und weinen. Andere reagieren passiv auf ihr Trauma: Sie sind ruhig und in sich gekehrt – manchmal über Monate. Etwa 13 Prozent der Säuglinge, die intensivmedizinisch behandelt wurden, entwickeln eine traumatische Störungen im ersten Lebensjahr.1 Zudem haben Forscher bei Frühgeborenen Veränderungen des Nervensystems festgestellt. Das zeigt: auch die Jüngsten erleben ihre Umwelt intensiv – und erinnern sich daran.


Woran erkenne ich ein frühkindliches Trauma?

Es gibt Verhaltensweisen von Babys, die auf ein Trauma hinweisen können. Dazu gehören diese fünf Punkte. Dabei müssen nicht alle Punkte vorhanden sein oder gleich stark ausgeprägt sein.

  1. Hat Ihr Säugling kaum Muskelspannung?
  2. Hat Ihr Säugling eine leise und schwache Stimme und äußert sich wenig?
  3. Werden Bedürfnisse nicht oder nur sehr oberflächlich geäußert?
  4. Ist Ihr Säugling schreckhaft?
  5. Vermeidet Ihr Säugling häufig den Blickkontakt?
  6. Ist Ihr Säugling oft passiv und lässt sich schwer in ein Spiel einbeziehen?

Wie wird ein frühkindliches Trauma behandelt?

In einem ersten Schritt lernen wir Ihr Kind und Sie im Rahmen unserer Sprechstunde kennen. Wir nehmen uns viel Zeit, um …

  • … mit Ihnen in entspannter Atmosphäre ins Gespräch zu kommen.
  • …. mit Ihrem Kind zu spielen.
  • …Ihr Kind zu beobachten.
  • … zu sehen, wie und ob Ihr Kind seine negativen Erfahrungen bewältigt hat.

In vielen Fällen ist keine Therapie erforderlich. Denn nicht jedes Kind, das sehr ruhig ist oder eine Intensivbehandlung erlebt hat, ist traumatisiert.

Sollte eine Therapie erforderlich sein, stehen wir Ihnen mit unserem speziell für traumatisierte Säuglinge und Kinder entwickelten Therapiekonzeptes zur Seite.


Erfahren Sie mehr über den Ablauf der Therapie


1 Faugli et al., 2009; Wilken & Bartmann, 2014


Photo by Tim Bish on Unsplash

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